Jugend erinnert

Programm für Gedenkstätten­fahrten von Jugendlichen gestartet

Das neue Programm "Jugend erinnert" ermöglicht Jugendlichen den Besuch von Gedenkstätten zur nationalsozialistischen Vergangenheit. Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey und Bundesaußenminister Heiko Maas haben das Programm am Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin vorgestellt.

[In einer Sitzrunde sprechen Dr. Franziska Giffey und Heiko Maas mit Schüler_innen über die Erfahrungen des Besuchs einer Gedenkstätte.]

Geschichte ist immer dazu da, daraus zu lernen und ich finde, es ist ein wichtiger Punkt, dass wir das auch tun. Und ich merke auch, dass viele Leute oder zu viele Menschen eigentlich mittlerweile gar nichts wissen oder gar nichts damit anfangen können – mit Ausschwitz oder generell dem Holocaust und ich finde das eigentlich sehr traurig.

Wir haben heute mit Heiko Maas, dem Bundesaußenminister zusammen, unser neues Programm "Jugend erinnert" vorgestellt, das für junge Menschen Gedenkstättenfahrten und aktives Erinnern ermöglichen soll und nochmal verstärken soll. Wir wollen in den nächsten beiden Jahren ermöglichen, dass der Bund über 10.000 jungen Menschen Gedenkstättenfahrten an verschiedenen Orten des Erinnerns und des Lernens ermöglicht. Über 500 Gedenkfahrten sollen mit den Geldern, die jetzt zur Verfügung gestellt werden, organisiert werden und das bedeutet, dass wir jungen Menschen ermöglichen wollen, einerseits über die Geschichte zu lernen und andererseits aber auch darüber nachzudenken und sich für das Heute zu verändern.

​[Schüler_innen halten ein selbst gestaltetes, großes Poster in die Höhe, das wie ein Vorhang an einer Stange befestigt ist. Dazu informiert eine Schülerin über die Gedenkstätte Auschwitz.]

Wenn man selbst dort war und es selbst gesehen hat und jemand anderes einen blöden Witz darüber macht, dann weiß man selbst und kann sich selber denken: "Ja, ich war da und das ist nicht witzig. Da sind wirklich Menschen gestorben!" Auch wenn es schon sehr lange her ist, sollte man trotzdem immer daran denken.

​[Eine Schülerin blättert an der Seite von Dr. Franziska Giffey und Heiko Maas durch eine Broschüre, die über Gedenkstättenfahrten Auskunft erteilt.]

Wir wollen auch in der Lehrerausbildung dafür sorgen, dass von den Lehrerinnen und Lehrern ein noch größerer Zugang zu diesen Themen geschaffen wird. Wir wollen in den Auslandsschulen viele Projekte auf den Weg bringen und wir wollen das auch grenzüberschreitend tun. Wir wollen vor allem junge Leute zusammen bringen, damit sie sich mit dem schwierigsten Teil der deutschen Geschichte, nämlich dem Holocaust, auseinandersetzen. Nicht nur um zu erinnern, sondern auch um daraus die richtigen Lehren für ihr eigenes Leben zu ziehen. Und das haben viele heute hier in den Gesprächen sehr deutlich gemacht, dass die Besuche in Ausschwitz sie verändert haben.

​[Unmittelbar in der Sitzreihe hinter Dr. Franziska Giffey und Heiko Maas meldet sich eine Schülerin zu Wort, die den beiden Minister_innen ihre Erfahrungen mitteilt.]

Ich persönlich fand es sehr emotional in Ausschwitz. Es ist ziemlich krass, denn im Unterricht hatte ich da nie wirklich Probleme mit dieser emotionalen Seite. Natürlich ist schrecklich, was passiert ist, aber es nimmt einen nicht mit, wenn man es hört und der Lehrer steht vorne und erzählt es einem und man sieht diese Bilder und man weiß, was passiert ist, aber es geht in den Kopf, aber es geht nicht ans Herz. Das kriegt man nur, wenn man tatsächlich da ist.